Dein Handy steuert zu Hause vermutlich dein Leben und deshalb steuert es meist auch deine Reise ins Ausland. Wahrscheinlich bist du sogar noch stärker darauf angewiesen als zu Hause. Die Bordkarte ist darauf, genauso die Hotelbuchung, die Banking-App, die Karten und jedes Foto, das du unterwegs machst. Das ist sehr praktisch, bis zu dem Tag, an dem es gestohlen wird, versehentlich in einen See fällt oder sich in einem neuen Land einfach nicht mit dem Internet verbinden will.
Am besten verhinderst du, dass im Ausland etwas mit deinem Handy schiefgeht, indem du alles noch zu Hause regelst. Ein Abend mit Backups, Kopien von Dokumenten, ein paar App-Installationen und einem Blick auf deine Versicherung reicht meist aus. Unten haben wir alle Schritte aufgelistet, mit denen du dein Handy so reisefest machst wie nur möglich.
Schritt 1: Kläre deine Verbindung, bevor du abreist
Deinen Heimattarif im Ausland zu nutzen, ohne vorher die Konditionen zu prüfen, kann teuer werden. Roaming-Gebühren und Tagespässe von Heimatanbietern summieren sich auf einer längeren Reise schnell. So kommen manche Reisende nach Hause und finden eine Rechnung vor, mit der sie nicht gerechnet haben. Eine Reise-eSIM ist meist der einfachste Weg, das zu umgehen. Du kaufst und installierst sie zu Hause und das Handy verbindet sich bei der Landung mit einem lokalen Netz. Wie das funktioniert und welche Anbieter einen Blick wert sind, haben wir in unserem Ratgeber zum Vergleich von eSIM-Anbietern behandelt, deshalb gehen wir hier nicht darauf ein.
Zwei Dinge solltest du aber jetzt prüfen. Handys, die auf Raten gekauft wurden, sind manchmal an einen Anbieter gebunden, sodass eine ausländische SIM-Karte oder eSIM nicht funktioniert. Dein Anbieter kann das Handy meist für dich entsperren, das kann aber ein bis zwei Tage dauern, heb es dir also nicht für den Flughafen auf. Das Zweite ist deine Heimatnummer. Banken schicken Verifizierungscodes gern per SMS. Viele Handys können zwei Leitungen gleichzeitig nutzen, sodass du deine Heimatnummer für Codes behalten und die eSIM für Daten verwenden kannst.
Schritt 2: Sichere dein Handy

Ein verlorenes Handy ohne Backup bedeutet, dass auch deine Fotos und Textnachrichten weg sind. Schalte das Cloud-Backup ein, das zu deinem Handy gehört (iCloud beim iPhone oder das Google-Backup bei Android) und prüfe, ob es vor deiner Abreise tatsächlich abgeschlossen ist. Das erste Backup dauert eine Weile und klappt am besten im WLAN zu Hause. Es ist auch eine gute Idee, die Foto-Synchronisierung während der Reise eingeschaltet zu lassen, damit deine Bilder auch dann sicher sind, wenn es das Handy nicht ist.
Am häufigsten vergessen wird die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Wenn deine Authenticator-App ausschließlich auf deinem Handy installiert ist, kannst du dich bei Verlust von deinem E-Mail-Konto und deiner Bank aussperren. Viele Authenticator-Apps können ihre Codes inzwischen übertragen oder sichern. Die meisten Dienste lassen dich außerdem Backup-Codes speichern. Schreib sie auf und bewahre sie woanders als auf dem Handy auf. Es lohnt sich auch, die Software des Handys vor der Abreise zu aktualisieren, denn Updates über langsames Hotel-WLAN passieren erfahrungsgemäß im ungünstigsten Moment.
Schritt 3: Bewahre Kopien deines Reisepasses und anderer Dokumente auf
Mach ein Foto von der Seite mit dem Passfoto in deinem Reisepass, von eventuellen Visa, deiner Reiseversicherungspolice und deinen Buchungsbestätigungen. Bewahre sie an einem Ort auf, den du auch ohne das Handy erreichst, etwa in einer E-Mail an dich selbst oder in einem Cloud-Ordner. Nimm nach Möglichkeit einen ausgedruckten Satz mit und bewahre ihn in einer anderen Tasche auf als den Reisepass selbst. Eine Kopie kann es erleichtern, bei der Botschaft einen Notfallersatz zu bekommen. Es ist außerdem ratsam, die Telefonnummern aufzuschreiben, die du brauchst, wenn alles schiefgeht. Dazu gehören die Nummer zum Sperren deiner Karten, die Notrufnummer deiner Versicherung und die deiner Botschaft.
Schritt 4: Sichere das Handy ab
Nutze einen richtigen Code statt einer kurzen PIN, die dir jemand an einem überfüllten Ort beim Eintippen abschauen könnte. Achte darauf, dass die Ortungsfunktion eingeschaltet ist, also „Wo ist?“ beim iPhone und „Mein Gerät finden“ (Find Hub) bei Android. Neuere iPhones haben außerdem die Einstellung „Schutz bei gestohlenem Gerät“, die zusätzliche Sicherheit bietet, wenn das Handy nicht an vertrauten Orten ist. Prüfe also, ob deines das hat und schalte sie gegebenenfalls ein. Eine PIN für die SIM-Karte ist eine weitere kleine Schutzschicht, die verhindert, dass jemand deine Nummer benutzt.
Schreib dir auch die IMEI-Nummer deines Handys auf (die Eingabe von *#06# zeigt sie meist an). Polizei und Mobilfunkanbieter fragen oft danach. An überfüllten Orten wie Märkten und im Nahverkehr trägst du das Handy am besten in einer vorderen Tasche oder einer Tasche mit Reißverschluss. Café-Tische und Gesäßtaschen sind Orte, an denen viele Handys verschwinden.
Schritt 5: Prüfe deine Handyversicherung, bevor du sie brauchst
Den Handyschutz prüfen die meisten zu spät. Reiseversicherungen decken Handys oft nur über ein optionales Zusatzpaket für Geräte ab. Manche Policen haben eine niedrige Grenze pro Gegenstand oder schließen Handys aus, die unbeaufsichtigt zurückgelassen wurden. Auch deine Hausratversicherung oder die Karte, mit der du das Handy bezahlt hast, kann es abdecken. Prüfe, welche davon gilt und wie hoch die Selbstbeteiligung ist. Bewahre den Kaufbeleg oder wenigstens ein Foto des Kartons mit der Seriennummer auf, denn Versicherer verlangen meist einen Eigentumsnachweis.
Wird das Handy gestohlen, sperre oder lösche es zuerst aus der Ferne und melde es dann der örtlichen Polizei. Bitte um eine schriftliche Anzeige mit Aktenzeichen. Manche Versicherer wollen die Anzeige innerhalb kurzer Zeit (oft 24 Stunden), prüfe also den Wortlaut deiner Police. Danach wende dich an deinen Mobilfunkanbieter, um die SIM-Karte zu sperren und informiere deine Bank. Unser Ratgeber zur Reisesicherheit enthält mehr dazu, wie du dich auf die Risiken an deinem Reiseziel vorbereitest.
Schritt 6: Richte Zahlungs-Apps und ein VPN ein, bevor du abreist
An vielen Orten ist das Bezahlen per Handy inzwischen normal. An manchen ist es schwer, anders zu bezahlen. Auf jeder Ortsseite von travelfilters findest du einen Kasten „Quick Facts“ mit einer Bewertung für bargeldloses Bezahlen. Wenn du mit der Maus über das Info-Symbol daneben fährst, siehst du, welche Zahlungssysteme in diesem Land oder dieser Stadt verwendet werden. Füge deine Karten vor der Reise zu Apple Pay oder Google Pay hinzu, denn für die Einrichtung ist manchmal eine SMS-Bestätigung deiner Bank nötig. Unser Ratgeber zu Geld im Ausland enthält die Einzelheiten zu Gebühren und Wechselkursen.
China ist das bekannteste Beispiel für ein App-Land. Bargeld wird an vielen Orten noch akzeptiert, aber viele Alltagszahlungen laufen über Alipay oder WeChat Pay. Du kannst meist eine internationale Visa- oder Mastercard mit beiden Apps verknüpfen. Dafür brauchst du deinen Reisepass und eine Telefonnummer von außerhalb Chinas. WeChat kann außerdem eine zusätzliche Verifizierung verlangen, heb es dir also nicht für den letzten Tag auf. Gebühren und Limits für ausländische Karten können sich ändern, prüfe daher die aktuellen Bedingungen in den Apps. Das alles ist zu Hause viel leichter erledigt als an einem Straßenstand in Chengdu. Es ist auch klug, eine Ersatzkarte, etwas Bargeld und eine Powerbank mitzunehmen, denn ein leeres Handy kann nichts bezahlen.
Ein VPN ist das andere, was du zu Hause einrichten solltest. Am wichtigsten ist es in China. Google-Dienste, Instagram und YouTube sind dort meist gesperrt. Auch die Websites und App-Stores von VPN-Anbietern sind meist gesperrt. Deshalb solltest du eines installieren und testen, bevor du landest. Ein VPN bietet außerdem in jedem Land eine zusätzliche Schutzschicht in öffentlichen WLANs. Die Regeln zur VPN-Nutzung unterscheiden sich von Land zu Land, prüfe also die aktuelle Lage für dein Reiseziel.
Schritt 7: Lade herunter, was ohne Verbindung funktioniert
Auch mit einem guten Datentarif wirst du auf Funklöcher stoßen. Mit Google Maps kannst du Städte oder Regionen für die Offline-Nutzung herunterladen. Die meisten Übersetzungs-Apps können ebenfalls Sprachpakete herunterladen. Beides erledigst du am einfachsten im WLAN zu Hause. Lade dabei auch die Apps deiner Airline und deines Hotels herunter. Heb außerdem Screenshots von Bordkarten und Buchungen auf. Richte die lokalen Fahrdienst-Apps vor der Abreise ein, etwa Grab in Südostasien oder Bolt in Teilen Europas. Das Hinzufügen einer Karte erfordert oft eine SMS-Bestätigung, was schwieriger wird, sobald deine SIM-Karte getauscht oder ausgeschaltet ist.
Sorge dafür, dass dein Handy genauso reisebereit ist wie du
Ein reisefestes Handy ist vor allem eine Frage der Vorbereitung. Sichere es, bewahre Kopien der Dinge auf, die schwer zu ersetzen sind, sichere es ab und finde heraus, wie du im Reiseland bezahlst und ins Internet kommst. Wenn du das alles erledigt hast, ist ein verlorenes Handy ärgerlich, aber beherrschbar.
Vielleicht ist ein Urlaub für dich ein guter Grund, gar nicht auf dein Handy zu achten und einfach den Moment zu genießen. So oder so ist es ein gutes Gefühl, dass der Begleiter in deiner Tasche für fast alles gerüstet ist, was du im Bedarfsfall brauchen könntest.
