Wer regelmäßig Medikamente nimmt, für den gehört das vermutlich zum Tagesablauf und geschieht fast unbewusst. Die Medikamente mit ins Ausland zu nehmen, klingt ebenfalls einfach, solange der Vorrat reicht, kann aber manchmal schwieriger sein, als es klingt. Sicherzustellen, dass du das jeweilige Medikament in dein Reiseziel mitbringen darfst und die richtigen Unterlagen dabeizuhaben, kann in manchen Fällen extrem wichtig sein.
Ein Hinweis vorab: Das hier sind nur allgemeine Reisetipps und bei allem, was dein konkretes Medikament und deine Gesundheit betrifft, sind deine Ärztin oder dein Arzt oder deine Apotheke die richtigen Ansprechpersonen.
Schritt 1: Prüfe, ob dein Medikament am Reiseziel erlaubt ist
Dieser Schritt kann überraschen: Ein Medikament, das zu Hause völlig gewöhnlich ist, kann anderswo eingeschränkt, verschreibungspflichtig oder sogar komplett verboten sein. Manche weit verbreiteten Schmerzmittel, ADHS-Medikamente, Schlafmittel, starke Allergiemittel und alles, was Codein oder andere kontrollierte Substanzen enthält, fallen in verschiedenen Ländern in diese Kategorie. Die Tablette, die dir deine Apotheke ohne Weiteres aushändigt, kann am Reiseziel eine Einfuhrgenehmigung erfordern oder an der Grenze beschlagnahmt werden.
Prüfe also für jedes Medikament, das du regelmäßig nimmst und mitbringen willst, die Vorschriften des Ziellandes. Bei einem Zwischenstopp solltest du im Idealfall auch das Transitland prüfen. Verlässliche Quellen sind die Botschaft des Reiseziels oder offizielle Regierungsseiten sowie die Reisehinweise deines eigenen Landes. Stellt sich heraus, dass ein Medikament eingeschränkt ist, hoffe nicht einfach aufs Beste und improvisiere nicht. Meist gibt es einen offiziellen Weg, etwa eine Genehmigung oder ein bestimmtes Dokument und deine Ärztin oder dein Arzt kann oft eine Alternative vorschlagen, mit der du reisen darfst. Du willst vermeiden, all das erst in der Ankunftshalle zu erfahren.
Schritt 2: Bring die nötigen Unterlagen mit

Zu Hause verlangt niemand, dass du deine Medikamente rechtfertigst. An einer Grenze kann genau das passieren. Trag deine Rezepte bei dir und, bei allem, was über den Alltag hinausgeht, ein Schreiben deiner Ärztin oder deines Arztes, aus dem hervorgeht, um welches Medikament es sich handelt, dass es für deinen persönlichen Gebrauch ist und, in allgemeinen Worten, welche Erkrankung es behandelt. Englisch ist für solche Schreiben die praktische Standardsprache. Bei manchen Reisezielen kann sich eine Übersetzung für den kleinen Aufwand lohnen.
Es ist auch eine gute Idee, den Wirkstoffnamen deiner Medikamente nachzuschlagen, nicht nur den Markennamen. Markennamen ändern sich von Land zu Land, der Wirkstoff aber ist die universelle Sprache. Auf ihn bezieht sich die Liste der Grenzbeamten und ihn versteht auch eine Apothekerin oder ein Apotheker im Ausland, falls du einmal Ersatz brauchst. Die Wirkstoffnamen in die Notizen deines Handys zu schreiben, dauert Minuten und kann dir ersparen, deine wertvolle Urlaubszeit in einer Apotheke zu vergeuden, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Schritt 3: Pack sie ins Handgepäck, in der Originalverpackung
Beim Packen deiner Medikamente solltest du zwei einfache Regeln im Kopf behalten. Erstens gehören Medikamente ins Handgepäck, nicht in den aufgegebenen Koffer. Aufgegebenes Gepäck wird verspätet, umgeleitet und geht gelegentlich verloren. Etwas, das du täglich brauchst, solltest du so nicht aufs Spiel setzen. Das Handgepäck bleibt bei dir und die Temperatur in der Kabine ist für Medikamente viel verträglicher als der Frachtraum des Flugzeugs. Die Sicherheitsvorschriften erlauben Medikamente in der Kabine in den meisten Ländern ausdrücklich, auch Flüssigkeiten über den üblichen Grenzen, wenn sie medizinisch notwendig sind. Halte die nötigen Unterlagen griffbereit und erwähne es bei der Sicherheitskontrolle.
Die zweite Regel lautet, alles in der Originalverpackung zu lassen. Wichtig ist das Etikett, das das Medikament mit deinem Namen und deinem Rezept verknüpft. Eine Plastiktüte mit losen, unbeschrifteten Tabletten ist genau das, wofür sich Grenzbeamte besonders interessieren. Außerdem ist es klug, etwas mehr mitzunehmen, als du voraussichtlich auf der Reise brauchst. Wenn dein Flug Verspätung hat oder du aus irgendeinem Grund festsitzt, bist du froh über einen Puffer von ein paar Tagen.
Schritt 4: Plane besondere Lagerung und medizinische Geräte ein
Medikamente, die gekühlt werden müssen, wie Insulin, kannst du in einer kleinen Kühltasche mit auf Reisen nehmen, solltest aber bestätigen lassen, dass deine Unterkunft einen ausreichend kalten Kühlschrank hat. Eine Minibar und ein zuverlässiger Kühlschrank sind nicht immer dasselbe. Nadeln und Injektionspräparate dürfen in den meisten Ländern mit ins Flugzeug, aber ein ärztliches Schreiben, das sie erwähnt, hält die Sicherheitskontrolle reibungslos. Medizinische Geräte mit Akkus, von CPAP-Geräten bis zu tragbaren Inhalatoren, unterliegen eigenen Regeln der Airlines. Nimm vorab Kontakt mit der Airline auf, um die nötigen Informationen direkt von der Quelle zu bekommen.
Auch Zeitzonen können bei der Dosierung deiner Medikamente knifflig werden. Wenn du zu Hause etwas alle 24 Stunden nimmst und plötzlich am anderen Ende der Welt bist und deine Uhr um 10 Stunden gesprungen ist, brauchst du einen Plan. Das Timing kann sehr wichtig sein, sprich also vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt oder mit deiner Apotheke darüber, wie du mit dieser Verschiebung umgehst.
Schritt 5: Kenne deinen Plan B am Reiseziel

Auch mit perfekter Verpackung lohnt es sich zu wissen, was du tun würdest, wenn etwas aufgebraucht ist, verloren geht oder nicht mehr funktioniert. Finde heraus, wie Apotheken am Reiseziel funktionieren. Was frei verkäuflich und was verschreibungspflichtig ist, unterscheidet sich zwischen den Ländern enorm und ein Rezept von zu Hause gilt im Ausland nicht automatisch. Oft brauchst du eine Ärztin oder einen Arzt vor Ort, um ein neues auszustellen. Auch hier sind die Wirkstoffnamen deiner Medikamente praktisch.
In diesem Zusammenhang lohnt sich auch ein genauerer Blick auf deine Reiseversicherung. Deckt sie einen Arztbesuch im Ausland und Ersatzmedikamente ab? Bei Reisezielen mit teurer Gesundheitsversorgung kann diese Frage sehr wichtig sein. Selbst wenn es unwahrscheinlich ist, dass du sie wirklich brauchst: Ein Plan B, den du nie benutzt, ist der günstigste.
Schritt 6: Lass deine gesundheitlichen Bedürfnisse bei der Wahl des Reiseziels mitentscheiden
Wie aufwendig es ist, deine Gesundheit auf Reisen im Griff zu behalten, hängt stark davon ab, wohin du fährst. Ein Städtetrip in ein Land mit Apotheken an jeder Ecke macht es leicht, während zwei Wochen auf einer abgelegenen Insel oder eine Trekkingroute weit entfernt von der nächsten Stadt deutlich mehr Vorbereitung erfordern, wenn du auf Medikamente angewiesen bist. Natürlich können Menschen, die täglich Medikamente brauchen, überallhin reisen, aber das Reiseziel entscheidet, wie viel Aufwand du betreiben musst.
Wenn du Reiseziele vergleichst, lass die praktischen Gesundheitsfragen also Teil des Vergleichs sein, falls dir dieses Thema sehr wichtig ist. Mit unserem Trip Finder kannst du nach Reisezielen mit hohen Gesundheitsstandards filtern und so aus Orten wählen, an denen du dich am wohlsten fühlst.
Es kommt auf die Vorbereitung an
Mit Medikamenten zu reisen wirkt vor allem deshalb abschreckend, weil viel auf dem Spiel zu stehen scheint und die Regeln fremd sein können. Prüfe die Vorschriften für dein Reiseziel, hab die Unterlagen und die Wirkstoffnamen dabei, lass alles beschriftet im Handgepäck und kenne deinen Plan B. Wenn du so vorbereitet bist, fühlt sich die Einnahme deiner Medikamente im Ausland im Idealfall wie die vertraute Routine an, die sie zu Hause ist.